In unserem neuen Projekt „Medizinische Versorgung für alle – Methoden, Wissen und Handlungskompetenz zu globaler Ungerechtigkeit in der medizinischen Versorgung am Beispiel der Corona-Pandemie“ widmen wir uns den Verflechtungen kolonialer und rassistischer Kontinuitäten im Bereich der Medizin. Darüber hinaus möchten wir Handlungsempfehlungen und Forderungen sowie widerständige Perspektiven von BIPOCs und Verbündeten sichtbar machen. Zu diesem Zweck werden wir uns im Jahr 2023 mit Expert*innen vernetzen, gemeinsam forschen und Bildungsmaterialien erstellen. Im Jahr 2024 möchten wir diese Materialien einer interessierten Öffentlichkeit vorstellen und die Inhalte sowie Methoden im Rahmen von Test- und Pilot-Workshops erproben sowie deren Einsatz auswerten.
Ziel ist es, mithilfe der im Rahmen des Projekts erstellten Schulungsmaterialien und anschließender Workshops medizinisches Fachpersonal, das in den Globalen Süden reist oder dort mit Flüchtlingen bzw. BIPoCs arbeitet, für das Problem des Rassismus in der Medizin zu sensibilisieren und ihnen alternative Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Entwicklungsbildung zum Thema ungleiche Behandlung von Menschen in der Medizin: Ausgehend von der Corona-Pandemie lassen sich zahlreiche historische Kontinuitäten aufzeigen, beispielsweise wie der Globale Süden seit jeher als Versuchsfeld für Medikamente dient oder wie westliche Mediziner*innen als „weiße Retter*innen“ auftreten. Weiße Ärzte und Medizinstudenten reisen in den Globalen Süden und werden dort mitunter als Experten auf Einsätze entsandt, bei denen sie aufgrund verinnerlichter Dominanz ihre persönlichen Kompetenzen überschätzen. Dies kann mitunter zu immensen und unter Umständen tödlichen Schäden führen, wenn die betreffende medizinische Gruppe Einsätze unternimmt, die nicht ihrer tatsächlichen Kompetenz und ihrem Ausbildungsstand entsprechen. Die Ausbildung von medizinischem Personal, insbesondere von Fachkräften aus dem Globalen Norden, die in der Entwicklungspolitik tätig sind, ist unzureichend auf Einsätze im Globalen Süden zugeschnitten. Ein Beispiel hierfür ist die Standardisierung medizinischer Leistungen (Stichwort: Hautkrebs) für weiße Menschen. Dies stellt eine Gefahr für die Gesundheit nicht-weißer Menschen (nicht nur) im Globalen Süden dar. Wir möchten die Menschen mit Bildungsangeboten zum Thema „Medizin für alle!“ für diese und andere Themen sensibilisieren und alternative Handlungsmöglichkeiten aufzeigen.
Das Projekt läuft von Juni 2023 bis Dezember 2024. Weitere Informationen erhalten Sie unter: kirschbaum[AT]glokal[DOT]org
Das Projekt wird von Engagement Global finanziert und erhält finanzielle Unterstützung vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie aus Haushaltsmitteln des Landes Berlin – Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit.
